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Am Tag, an dem Olli ging

Sommer in der Stadt. Drei Bands, Fußball, viele Menschen.

Irgendwie ist alles wie immer. 12jährige Mädels in zu gewagten, dafür aber sehr stylish anmutenden Klamotten. Sehr viele Jugendliche in Nonkonformistenuniform, in diesem Jahr sind Netzstrümpfe recht beliebt, schwarz sein muss sie sowieso. Hemmungslos betrunkene Jungs. Sehnsüchtig um sich blickende Pubertätsinsassen, deren Blick sagt: bemerke mich! Und in diesem Jahr natürlich Deutschland-Trikots und Fahnen.

Fußball wird dann in irgendeiner Kneipe geschaut, das Angebot reicht von kleinen Fernsehern im Fenster bis zur Leinwand, die Stimmung von reserviert-interessiert bis euphorisch mitgehend, je nach Preislage und damit Publikum des Lokals. Aber irgendwie sind doch alle dabei, an diesem Tag, an dem Herr Rethy den Weltmeister der Herzen auf das öffentlich-rechtliche Publikum loslässt. An diesem Tag, an dem Stuttgart eindeutig schöner ist als Berlin, und die Stimmung per TV bis an den Rand des Ruhrgebietes herüberträgt.

An diesem Tag, an dem Olli geht.

Danach zurück in die Realität, die in der Zwischenzeit um einige Alkoholleichen reicher geworden ist, irgendwie ist die Stimmung auch ein bisschen elektrischer geworden, Alkohol, empfundene Perspektivlosigkeit und jugendliche Rebellion sind nicht immer eine gute Kombination.

Es kommt der Punkt, an dem es möglich ist, andere Menschen dadurch zu irritieren, daß man man selbst ist. Und sehr im Moment. Aber es kommt keine Agressivität. Man hat ja selbst vier Wochen Menschen zugejubelt, für die so etwas zur Jobbeschreibung gehört. Oder gehören sollte. Vielleicht ist das auch einer der positiven Nebeneffekte der WM.

Später an diesem Tag, da war Olli schon gegangen, waren die 12jährigen illegalerweise immer noch da. Der Geräuschpegel der Unterhaltungen steigt, man kann den Alkohol hören. Interessanterweise heute nur bei Männern. Die berüchtigte Alarmlache angetrunkener Frauen bleibt erst einmal aus. Vielleicht ist das dann doch zu öffentlich, mitten in der Stadt.

Männer begrüßen sich mit einem Geräusch, dem keine Buchstabenkombination des Alphabetes entspricht. Blaulichter von Rettungswagen und das Licht auf der Bühne für die Bands ergeben eine interessante Kombination. Ein Martinshorn ergänzt "I've been in love before" um eine relativ dramatische, wenn auch ungewollte Ebene.

Niemand kennt Funky Abba. Oder niemand bekommt es so richtig mit, daß die Tontechniker die Platte aufgelegt haben, nachdem die Bands fertig waren. Vielleicht war "When all is said and done" auch für Olli?

 

9.7.06 03:05

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


M.B / Website (9.7.06 13:52)
Also ich bin definitv der unauffäligste Jugendliche vor den Leinwänden immer gewesen, Trikot,Strohhut und Sonnebrille scheinen für viele andere zu normal zu sein.


Frank / Website (9.7.06 19:08)
Ich war gestern in Stuttgart (wenn auch leider nicht im Stadion) - und es war wirklich schöner als Berlin! :-) Für einen kurzen Augenblick fühlte man sich am Mittelpunkt der Welt. Aber morgen reist die Welt wieder ab - mal sehen, was von ihr bleibt.

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