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Exkremente zu Geld machen, oder: Pecunia Olet

Gibt es sie eigentlich noch, öffentliche, benutzbare und kostenlose WCs? Gibt es noch das WC als Service?

Vorneweg, meiner Ansicht nach sollte das Recht aus kostenfreie Benutzung eines WCs als Grundrecht in unserer Verfassung auftauchen.

Man kennt das, es drückt und drückt, und es ist kein WC in der Nähe, nur ein Ordnungshüter, der bereit ist, einem für "Wildpinkeln" einen nicht unerheblichen Euro-Betrag abzuknöpfen. Oder es ist ein WC in der Nähe, aber es fehlt an (Klein)Geld.

Bei den mittlerweile privatisierten WCs (man kann anscheinend jeden Scheiß privatisieren, um ein blumiges Sprachbild zu benutzen) gibt es dann auch verschiedene Abstufungen.

Völlig OK ist m.E. der "passive Toilettenmann" / die "passive Toilettenfrau". Sie sitzen relativ teilnahmslos vor einem Tellerchen, oder wichen gerade irgendwas, lassen einen aber ungestört sein Geschäft verrichten.

Sie erinnern durch ihr Dasein daran, daß Toiletten sich nicht von selbst reinigen, und es ist dem Benutzer freigestellt, seine Zufriedenheit in Form einer kleinen Zuwendung zu äußern.

Anders sieht es aus mit den aktiveren Methoden der Geldeintreiberei.

Der momentane Gipfel sind Wertbons, die erst gekauft werden müssen, um dann in eine Art Barcode-Leser am Toiletteneingang gehalten zu werden, welcher sich daraufhin öffnet. Der Toiletteneingang, natürlich.
Drehkreuze sind da netter, da kann man zumindest noch drüberspringen.

Dann gibt es die Varianten des persönlichen Kassierens im Vorfeld (schonmal kurz vorm Platzen den Satz gehört "nee, auf 20 EUR kann ich aber nicht rausgeben"?), der flächendeckenden Beschilderung ('Nutzung verpflichtend xxx Cent') oder der Ansprache im Nachhinein ('Junger Mann, das macht jetzt aber xxx Cent'). Mein Gegenangebot, dann doch lieber kostenfrei von außen an die Toilettenanlage zu urinieren, wurde nicht gerade begrüßt.

Und, ganz ernsthaft, wer diskutiert schon gerne mit dem Reinigungspersonal? "Was, bei dieser Sauberkeit, ach, was sage ich, Drekigheit, verlangen sie auch noch Geld"? Hab ich noch nie erlebt.

Ganz spannend wird es dann in Kombinationen.

Frisch erlebt:

Volksfest + Toilettenwagen mit aktiven Kassiermethoden.

Anscheind war der Veranstalter nicht Willens, für ein Grundbedürfnis seiner Gäste zu sorgen. Hilf dir selbst, dann bleibt alles schön trocken. Leider ist das, wie bereits erwähnt, mitterlweile eher die Regel als die Ausnahme. So kann man ja als Veranstalter auch Geld machen, man vermietet den Stellplatz, und lässt den Betreiber dann sehen, wo er bleibt.

Im erlebten Fall unterblieben aber auch noch Absprachen zwischen Veranstalter und WC-Betreiber, doch wenigstens die dort arbeitenden Menschen (Ausschank, Würstchenbude, Musik, etc.) gratis ihr Bedürfnis verrichten zu lassen.

Fragen wir uns selber: wer von uns zahlt an seinem Arbeitsplatz dafür, das WC nutzen zu dürfen? Und zwar vorher?

Ich hoffe, ich habe hier niemanden auf Ideen gebracht. Jaaaa, da ist noch Phantasie im Markt, alleine, wenn man sich eine mittelgroße deutsche Universität vorstellt...was das an Einsparungen bedeuten könnte...aber lassen wir das, mein Hirn verrenkt sich zu sehr.


Auf der anderen Seite bedeutet das allerdings auch, daß es Menschen gibt, die davon leben, andere beim WC-Gang kassieren zu müssen.

So weit sind wir mittlerweile.
Ganz persönlich finde ich das zum

So. Ich hoffe auf kontroverse Meinungen. Und, nein, Leben und Leben lassen ist für mich in diesem speziellen Fall kein Argument.

29.7.06 18:15

bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


M.B / Website (29.7.06 22:53)
Neulich habe ich auf einer Autobahnraststätte erlebt,dass man für 50 Cent einen Bon erwerben muss um aufs Klo gehen zu können, nachher konnte man diesen Bon dann bei dem Einkauf in der Raststätte einlösen, nur leider gibt es für 50 Cent ja nichts... Auch keine dumme Geschäftsidee...


Jazzbone / Website (29.7.06 23:13)
Evtl. sind wir dann an der gleichen Raststätte gewesen (A31?). Das war eines der auslösenden Erlebnisse für das Abreagieren oben.


Stefan / Website (30.7.06 16:16)
Dass mit dem Wertbon finde ich aber nicht so schlecht. Den kann man nämlich auf vielen Tankstellen einlösen. Und man kann ihn ja verrechnen lassen. Beispielsweise, wenn man an einer anderen Raststätte Hunger auf ein Mars für 1 Euro hat, löst man den Gutschein ein und das Mars kostet dann halt nur noch 50 Cent.

Na ja, ist halt ein beschissenes Thema.


M.B / Website (5.8.06 14:19)
@jazzbone
Ich glaube es war die A3 aber kann genau so gut die A31 gewesen sein, ich muss mich da nochmal schlau machen.


Svente / Website (28.3.08 19:49)
tja man versucht halt, entschuldigt den Ausdruck, aus Scheiße Geld zu machen. So ist das heutzutage!!

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